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Dienstag, 25. Juli 2017

Sag mir, wie viel Sternlein stehen. Ein Lehrstück.

Urs von Wulfen ist Social-Media-Redakteur im Bistum Osnabrück, und außerdem sagt man ihm eine "kabarettistische Ader" nach - weshalb er z.B. eine Reihe von YouTube-Videos unter dem Titel "Achtung! Kann Spuren von Glauben enthalten" produziert hat. Darüber hinaus ist Urs von Wulfen ein loyaler Kollege. Ein sehr, sehr loyaler Kollege, auch gegenüber Social-Media-Mitarbeitern anderer Bistümer. Deshalb schaut Urs von Wulfen öfter mal auf den Facebook-Seiten benachbarter Bistümer wie Essen oder Münster nach dem Rechten und springt den dortigen Verantwortlichen mutig bei, wenn deren Arbeit nicht ausreichend gewürdigt wird. 



So schrillten jüngst bei Urs von Wulfen die Alarmglocken, als die Facebook-Seite des Bistums Münster von einem Nutzer mit dem wohl nicht ganz der Facebook-Klarnamenspflicht genügenden Namen Stefan Grotfls die schlechteste mögliche Bewertung erhielt: Nur einen von fünf möglichen Sternen! Die Bewertung des Herrn "Grotfls" ist übrigens ausgesprochen lesenswert; hier ein Auszug: 
"Tiere, die mit Tieren kuscheln?! Menschen, die mit Tieren kuscheln?! Katzenvideos?! Die Sendung mit der Maus?! Lebensweisheiten aus dem Abreißkalender?! Haben Sie vielleicht derzeit eine Ferienvertretung, das würde einiges erklären.
Manchmal habe ich nämlich das Gefühl, dass die Facebook-Seite des Bistums Münster vom Kegelstammtisch älterer Hausfrauen gehackt wurde, die der Meinung sind, [i]hre Lieblingsvideos mit dem ganzen Internet teilen zu müssen.
[...]
Ich empfehle eine Schulung zum Thema 'seriöse Internetpräsenz für kirchliche Einrichtungen'.
Und entschuldigen Sie den vielen Sarkasmus." 
Das konnte Urs von Wulfen nicht auf den Münsteraner Kollegen sitzen lassen! Und so wies er den Kritiker geharnischt zurecht:
"[M]achen die Kollegen aus ihrer Sicht auch etwas richtig? Wenn sie dies bejahen können frage ich mich, ob es dann fair ist hier die schlechteste Bewertung zu hinterlassen? Nebenbei kann ich sagen, dass an dieser Seite absolute Profis arbeiten, die ein[e] durchaus seriöse Arbeit machen. [...] Das[s] sie dieses Konzept nicht gut finden ist ihr gutes Recht, aber deshalb hier die Kompetenz der Mitarbeiter so massiv in Frage zu stellen halte ich für maßlos übertrieben." 
Schließlich: So geht's ja nicht! Aber mit dieser Replik ist die Sache noch nicht ausgestanden; denn der Verfasser der negativen Bewertung beharrt, er habe alles Recht dazu, die Gestaltung der Bistumsseite doof zu finden und das auch zu äußern - denn, nun ja, wofür gibt es sonst eine Bewertungsfunktion auf der Seite? Den nun folgenden Kommentardialog als "bizarr" zu bezeichnen, wäre noch freundlich. Nur einen Stern für die Social-Media-Arbeit des Bistums Münster, das geht nun wirklich gar nicht, findet Urs von Wulfen und versteigt sich zu Äußerungen wie "Dann hoffe ich sehr, dass sie in ihrem Leben Richtern begegnen, die bereit sind sich ein Gesamtbild von ihnen zu machen und sie nicht aufgrund eines Fehlers aburteilen". -- Ich räume ein, dass ich auf derartige niederträchtige Psycho-Spielchen besonders empfindlich reagiere, weil sie mich an meine Grundschulklassenlehrerin erinnern. Vordergründig antiautoritär, lieb und sanft tun, aber hintenrum den Kindern vermitteln, sie sollten sich gefälligst in Grund und Boden schämen, dass sie so fies sind. Ich schätze, in den 80ern wäre Urs von Wulfen eine prima Grundschulklassenlehrerin geworden. Heutige Grundschüler dürften allerdings zähere Brocken sein. 

Bei alledem fragt man sich natürlich auch, was Urs von Wulfen eigentlich antreibt, sich derart ins Zeug zu legen. Bekommen die Münsteraner Kollegen Stockschläge für schlechte Bewertungen? Wird ihnen der Nachtisch gestrichen, wenn sie ihre Like-Quote nicht erfüllen? Das würde immerhin erklären, warum sie in ihrer Arbeit so gern auf massentaugliche Plattitüden setzen - und warum sie so unsouverän-angepisst reagieren, wenn sie mal einen kritischen Kommentar ernten. 

Dass sich im weiteren Verlauf auch noch der einschlägig bekannte Klaus Ebner - von dem ich, anders als bei Urs von Wulfen, indes nicht weiß, für wen er eigentlich arbeitet - in die Diskussion einschaltete, offenbar annahm, bei einem Kritiker der Münsteraner FB-Präsenz könne es sich nur um etwas so Verabscheuungswürdiges wie einen "katholischen Blogger" handeln, und zu seiner üblichen "Ihr seid doch alles Nazis"-Routine griff, lässt sich nur noch rudimentär rekonstruieren, da Herr Ebner seinen diesbezüglichen Kommentar offenbar auf die Versicherung des Herrn "Grotfls", er sei weder ein katholischer Blogger noch ein Klimaleugner[!], wieder gelöscht und sich sogar dafür entschuldigt hat. 

Der ganze Vorgang wirft ein grelles Licht darauf, wie sehr bei kirchlichen Social-Media-Mitarbeitern - die doch, den Beteuerungen des Urs von Wulfen zufolge, lediglich "Lebensfreude vermitteln" wollen und außerdem "absolute Profis" sind - die Nerven blank liegen, sobald man ihnen mal kontra gibt. Da erscheint jede noch so harmlose Kritik gleich als das Ergebnis einer Verschwörung dunkelkatholischer Finsterlinge - und führt somit nur dazu, dass man sich umso mehr im Recht fühlt und in der Auswahl der Mittel, die Kritik ab- und die Kritiker zurechtzuweisen, jedwede Zimperlichkeit fahren lässt. - Zur Frage der "Professionalität" der Facebook-Redakteure von Bistümern wie Münster, Essen oder auch Osnabrück wäre schließlich noch zu erwägen, worin diese Professionalität eigentlich besteht. Man könnte den Begriff "Professionalität" verstehen als "das tun, wofür man bezahlt wird, und zwar zur Zufriedenheit der Auftraggeber". Wofür also werden die kirchlichen Social-Media-Mitarbeiter bezahlt? Was erwarten ihre Auftraggeber von ihnen? Den jeweiligen Seiten positive Bewertungen und möglichst viele "Likes" zu verschaffen? Nun, wenn es nur das ist, dann wird man wohl anerkennen können und müssen, dass die Herren und Damen Redakteure in ihrer Arbeit recht erfolgreich sind. Aber kann das wirklich alles sein? Sollte kirchliche Medienarbeit nicht vielleicht irgendwie auch etwas mit Glaubensverkündigung zu tun haben? Das wäre dann freilich ein Anspruch, der allein mit "Professionalität" nicht zu erfüllen ist. Durchaus etwas mit Professionalität zu tun hätte es allerdings, wenigstens seine Hausaufgaben zu machen. In der Münsteraner Facebook-Redaktion jedoch sitzen Leute, die - wie hier und anderswo schon an einer Vielzahl von Fallbeispielen aufgezeigt - vom christlichen Glauben lediglich rudimentäre Kenntnisse haben. So rudimentäre, dass sie schlechterdings nicht in der Lage sind, zwischen genuin christlichen Glaubensaussagen und esoterisch angehauchter Allerweltsspiritualität einen Unterschied festzustellen. Und deshalb verstehen sie auch nicht, was es an ihrer Arbeit zu kritisieren gibt, und können Kritik nur als böswillig auffassen. 

"Stefan Grotfls" ist in seiner Kritik noch nicht einmal auf die Frage der Glaubensverkündigung eingegangen. Er wollte lediglich ein seriöses Erscheinungsbild und sachliche Informationen aus dem Bistum und über das Bistum anmahnen. Das hat genügt, ihn nach allen Regeln der Kunst zur Schnecke zu machen. Ich beantrage Ehrenmitgliedschaft für "Stefan Grotfls" in der FB-Gruppe "Ein ungenanntes Bistum"



Kommentare:

  1. Vorerst vielen Dank, dass Sie mich hier erwähnen. Das ehrt mich wirklich sehr. Ich möchte mir aber doch eine Klarstellung erlauben. Ich hatte einen Kommentar gepostet, der mißverständlich und sachlich irrelevant war und zudem als verletzend empfunden werden konnte. Offensichtlich wurde er auch so verstanden. Deshalb und nur deshalb habe ich ihn gelöscht und mich dafür entschuldigt. Es ging mir keineswegs darum, jemanden in die Nähe von Nationalsozialismus zu rücken oder Vergleiche mit den dessen Verbrechen anzustellen. Das halte ich generell für entbehrlich und trifft auch nicht die Sache. Trotzdem macht es mich einigermaßen betroffen wenn auf der einen Seite eine katholische Plattform wie die FB Seite in Münster für Katzenbilder oder seichte Gedichte polemisch angegriffen wird und auf der anderen Seite ein andere katholische Plattform - diesmal ohne jede Kritik - offen Wahlwerbung für rechtsextreme Politiker machen kann. Damit schließt sich der Kreis wieder: Oder die Verschiebung des Wertekompass.

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  2. Ich werde demnächst zum Thema Social Media Marketing und Kirche etwas schreiben. Es wird Zeit.

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  3. "Trotzdem macht es mich einigermaßen betroffen__ wenn eine andere katholische Plattform - diesmal ohne jede Kritik - offen Wahlwerbung für rechtsextreme Politiker machen kann."

    @klaus ebner
    Die von ihnen verlinkte Seite kenne ich. Lese und kommentiere dort regelmäßig. Wo dort offene Wahlwerbung für "rechtsextreme" Politiker gemacht wird, können sie sicher nachweisen. (Das ginge, wenn man nicht nur die Überschriften liest!) Ich gelte im allgemeinen als rechtsextrem weil z.B. ich die "Ehe für alle" als Schwachsinn bezeichne, oder Abtreibung als "abscheuliches Verbrechen"! Ich würde jetzt nicht sagen, dass mich das einigermaßen betroffen macht. In meinen Augen ist das nur armselig. Denn ein "Rechtsextremer" ist im gängigen Jargon auch gleichzeitig ein Nazi oder wird in die Nähe nationalsozialistischen Gedankenguts gestellt. Oder wollen sie das anders interpretieren?

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